In einer Welt, in der die Demokratie ins Wanken gerät und Intoleranz, Radikalisierung, Polarisierung sowie nationale und internationale Krisen zunehmen, sind wir mehr denn je gefordert, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gemeinsam zu begegnen. Denn Demokratie lebt von ihren Bürgerinnen und Bürgern – und von gemeinsamen Werten, die gerade in schwierigen Zeiten geschützt, gestärkt und gefördert werden müssen. Wir sind überzeugt, dass Religionen wesentlich dazu beitragen können, demokratische Werte in der Gesellschaft zu stärken und die Herausforderungen unserer Zeit aktiv mitzugestalten.
Als dynamisches, interdisziplinäres und engagiertes Team setzen wir uns mit Körper, Herz und Verstand für die Stärkung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ein. Unser Ziel ist es, eine Generation zu fördern, die von Werten, Sinn und Orientierung geprägt ist. In einem Umfeld geistiger Offenheit und politischer sowie verbandlicher Unabhängigkeit schaffen wir Räume, Formate und Kanäle, die auf die realen Bedürfnisse der Gesellschaft ausgerichtet sind. Wir handeln im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und stehen für universelle Prinzipien und Werte ein.
Ein zentraler Aspekt unserer Arbeit ist die Verbindung zwischen Religion und Zeitgeist. Eine herausragende Rolle spielen dabei Vernunft und Spiritualität, die den Menschen als zwei komplementäre Elemente eines archimedischen Punktes zur menschlichen Exzellenz (ḥikma) führen können. In diesem Zusammenspiel sehen wir das Potenzial des Menschen, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern zu können.
Wir sind fest davon überzeugt, dass das, was heute vielerorts als Islam präsentiert und verstanden wird, sich weit von seiner ursprünglichen Botschaft – von Spiritualität, Schönheit, Liebe, Zuneigung und Rationalität – entfernt hat. Es bedarf dringend eines tiefgreifenden Paradigmenwechsels, der eine Rückbesinnung auf diese essenziellen Qualitäten ermöglicht. Denn der Islam ist in unserem Verständnis nicht nur eine humanistische, sondern auch eine kosmische Religion, die die gesamte Existenz umfasst. Zugleich ist er eine rationale Religion, die auch die inneren Dimensionen des Menschen ernst nimmt. Aus dieser Perspektive ergibt sich eine bedeutende Grundlage, um aktuelle Krisen und Herausforderungen zu bewältigen.
Darauf aufbauend eröffnen sich für Musliminnen und Muslime verstärkte, nachhaltige und neue Entfaltungs- und Handlungsmöglichkeiten, ihre Identität neu zu reflektieren, ihre Beziehung zur Umwelt, zur Demokratie und zur Gesellschaft aktiv zu gestalten, Synergien zu schaffen und vor allem Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten zu finden.
Dabei zeigt sich, dass viele der als „islāmisch“ empfundenen Normen und Haltungen in Wirklichkeit kulturelle Prägungen sind, die nicht unbedingt mit den ethischen Grundsätzen des Islām konform sind und in die hiesige Gesellschaft passen. Beispielsweise gilt die Haltung des Islām gegenüber den Frauen, die durchweg Kritik erntet und im Rampenlicht der Medien steht, als besonders kontrovers. Allerdings wird selten differenziert, ob es sich bei bestimmten Haltungen um kulturelle Praktiken, fundamentalistische Auslegungen oder tatsächlich um Positionen handelt, die aus den religiösen Quellen des Islām stammen. Fundamentalismus und Extremismus sind Produkte mangelnder methodischer und fachlicher Expertise der islāmischen Quellen und des Zeitgeistes. Solche Ausprägungen haben sich in der Moderne verbreitet und werden vor allem durch nationale und internationale Konflikte und in Verbindung mit den sozialen Medien zu einer bleibenden und wachsenden Gefahr. Aufgrund von Fehlinterpretationen ist es unverzichtbar, die islāmischen Quellen im Lichte der hiesigen Kultur und Dynamiken zu reflektieren. Nicht unterschätzt werden sollte, wie viel Reichweite und Verantwortung ein Imām gegenüber seiner Gemeinde haben kann. Doch trotz Institutionalisierung islāmischer Theologien an deutschen Hochschulen und zusätzlichen Angeboten wie dem Islāmkolleg, bleibt die Mehrheit der Imāme in Deutschland mit mangelndem Wissen über den deutschen Kontext und den Zeitgeist auf der Strecke. Die islāmische Religion erscheint dadurch als ein Fremdkörper, der kaum oder gar keine Berührungspunkte zum westlichen Zeitgeist aufweist. Sprachkenntnisse und kulturelle Kenntnisse fehlen nahezu vollständig. Besonders sichtbar wird diese Diskrepanz in der Freitagspredigt: Zwar wird sie vielerorts von ehrenamtlichen Kräften auf Deutsch verlesen, doch erreicht sie oft nicht die rhetorische und emotionale Wirkung des eigentlichen Imāms. In der Folge bleiben gerade junge Menschen und neu zugewanderte Muslim:innen vielfach unberührt – auch deshalb, weil die Inhalte sprachlich und kulturell nicht auf ihre Lebenswirklichkeit zugeschnitten sind. Mit mangelnder Anpassung an die Gegebenheiten und die Bedürfnisse der Muslim:innen können auch falsche Interpretationen und Extremisten zunehmen. Ein weiteres Problem ist die oft problematische Identitätsbildung von Muslim:innen die zwischen der Kultur ihrer Eltern und der deutschen Gesellschaft hin und her gerissen sind und dadurch Schwierigkeiten in der Selbstdefinition und Selbstfindung erleben. Hinzu kommt, dass sich eine Gesinnung bei Muslim:innen in Deutschland verbreitet, die mit Nachdruck auf Passivität und Enthaltung von Teilhabe an der deutschen Gesellschaft und ihren Institutionen setzt. Mitunter dominiert dabei eine Haltung des pragmatischen Rückzugs – möglichst viel Nutzen mit möglichst geringem gesellschaftlichem Engagement. Diese Einstellung kann die Gräben zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Minderheiten vertiefen. Gleichzeitig wird dadurch verhindert, dass die spirituellen und ethischen Dimensionen des Islām – etwa in der Persönlichkeitsentwicklung und Sinnfindung – vermittelt werden. Stattdessen tritt häufig allein die sichtbare Praxis in den Vordergrund. Werden moralische Werte nicht aktiv gefördert, kann das gesellschaftliche Spannungen verstärken und problematischen Verhaltensweisen Vorschub leisten.Angesichts der wachsenden Zahl von Muslim:innen in Deutschland und Europa ergibt sich daraus nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung: Die Infrastruktur zur Förderung muslimischer Teilhabe muss ausgebaut, besser vernetzt und langfristig gestärkt werden – nicht zuletzt, um Integrationsprozesse auf Augenhöhe zu gestalten und innergesellschaftliche Spannungen zu überwinden.
Unsere Angebote stehen allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Gemeinsam setzen wir uns für eine zukunftsfähige, gerechte und demokratische Gesellschaft ein, in der Vielfalt und Respekt die Grundlagen unseres Zusammenlebens bilden.
Integration von Vernunft und innerer Spiritualität als komplementäre Kräfte, die den Menschen zu seiner menschlichen Exzellenz (ḥikma) führen und ihn befähigen, die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern.
Schaffung eines Umfelds, das auf intellektueller Offenheit sowie politischer und verbandlicher Unabhängigkeit basiert, um unvoreingenommene Diskussionen und Innovationen zu ermöglichen.
Stärkung der individuellen Urteilsfähigkeit und Selbstbestimmung, damit jeder Mensch befähigt wird, eigenverantwortlich und reflektiert am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Anerkennung der Glaubensfreiheit als unverhandelbares Grundrecht. Förderung eines kontextgerechten Verständnisses des Islam, das seine wesentliche spirituelle, ethische und rationale Essenz wahrt und zugleich den Zeitgeist berücksichtigt.
Schutz, Förderung und Erhalt demokratischer Prinzipien in der Gesellschaft als Grundlage für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben.
Förderung der aktiven gesellschaftlichen Teilhabe von Musliminnen und Muslimen durch einen paradigmatischen Wandel, der neue Identitäts-, Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten eröffnet.
Einsatz für eine vielfältige, gerechte und inklusive Gesellschaft, in der gegenseitiger Respekt und Anerkennung die tragenden Säulen des Zusammenlebens sind.
Ich studiere Soziale Arbeit (B.A.) an der Alice Salomon Hochschule und werde demnächst ein Masterstudium in Public Health aufnehmen. Meine beruflichen Erfahrungen umfassen verschiedene Bereiche der Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere im Krisen- und Clearing-Kontext. Parallel dazu studiere ich Islamologie am Islamologischen Institut und vertiefe auf diese Weise sowohl mein islamisches Fachwissen als auch meine Arabischkenntnisse.
Als Lehrkraft bei Hikma plane, bereite und führe ich den Religionsunterricht für Kinder ab sechs Jahren durch. Ich entwickle Lern- und Unterrichtsinhalte, erstelle passende Materialien und wirke an der inhaltlichen Weiterentwicklung des Unterrichtskonzepts mit. Zudem begleite ich pädagogische Aktivitäten wie Projekte, Ausflüge und gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen.
Das Kuratorium des „Hikma – Zentrums für Zeitgeist und Zeitgeschichte“ begleitet unser Projekt als beratendes Gremium mit inhaltlichem Fokus. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, die Ausrichtung und Weiterentwicklung unserer Arbeit konstruktiv zu unterstützen. Die Mitglieder bringen ihre Fachkenntnisse, Lebenserfahrungen und vielfältigen Perspektiven ein und tragen so dazu bei, dass unsere Vorhaben gesellschaftlich relevant sowie intellektuell und spirituell fundiert sind.
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