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"Orientalismus im 21. Jahrhundert: Edward Saids Erbe und seine Relevanz heute"
Edward Saids Orientalismus ist ein Schlüsselwerk der Kultur- und Machtkritik. Es zeigt eindrucksvoll, wie der Westen über Jahrhunderte ein verzerrtes Bild des Orients geschaffen hat – nicht als Versuch des Verstehens, sondern als Ausdruck von Kontrolle und Überlegenheit. Auch heute noch prägen diese Denkweisen unser Bild von anderen Kulturen. Said eröffnet einen kritischen Blick auf Stereotype, Vorurteile und koloniale Denkmuster – ein Werk von ungebrochener Relevanz für unsere Zeit.
- Ort:
online
- Datum/Zeit:
13.10.2025
18:00 – 19:30 Uhr
- Für wen:
für alle Interessierten ab 16 Jahren
Ergebnis:
Am 13. Oktober 2025 fand das erste Literaturgespräch zum Thema „Orientalismus im 21. Jahrhundert – Edward Saids Erbe und seine Relevanz heute“ statt. Nach der Einführung und Moderation durch Melda Eryilmaz folgte ein Vortrag von Samet Balci (M.A.), der die Entstehungsgeschichte des Buches, die biografischen und intellektuellen Hintergründe Edward Saids sowie die Wirkung des Werkes auf Geistes- und Sozialwissenschaften beleuchtete.
Im Mittelpunkt stand außerdem die Frage, wie Saids Analyse des Orientalismus bis heute nachwirkt und welche Bedeutung sie für aktuelle gesellschaftliche Diskurse besitzt. Es wurde aufgezeigt, dass Saids Kritik die Wahrnehmung des sogenannten „Orients“ und die Entwicklung der postkolonialen Studien nachhaltig geprägt hat. Das Werk legt offen, dass der „Orient“ in weiten Teilen ein westliches Konstrukt ist – ein Bild, das aus einer vermeintlich neutralen Wissenschaft hervorgegangen ist, die sich bei näherer Betrachtung als ideologisch gefärbt, eurozentrisch, hierarchisch und kolonial legitimierend erweist. Damit macht Said deutlich, wie eng Ökonomie, Macht und Wissen miteinander verflochten sind. Zugleich wurden Bezüge zur Gegenwart hergestellt: Die zunehmende Polarisierung öffentlicher Diskurse, das Erstarken populistischer Strömungen und neue Formen kultureller Abgrenzung verdeutlichen, dass Saids Diagnose über die Konstruktion des „Anderen“ nichts an Aktualität verloren hat.
Die abschließende Gesprächsrunde griff zentrale Fragen auf: Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben? Wie können wir Vielfalt annehmen, ohne sie zu vereinheitlichen? Der Referent regte dazu an, Veränderung nicht nur als gesellschaftlichen, sondern auch als persönlichen Prozess zu verstehen. In diesem Sinne endete das Gespräch mit einem Gedanken Rumis, der als Einladung zur Selbstreflexion verstanden wurde:
„Yesterday I was clever, so I wanted to change the world.
Today I am wise, so I am changing myself.“
Das Literaturgespräch wurde erfolgreich abgeschlossen und bildete den Auftakt einer Reihe, die sich mit zentralen Werken des islamischen, philosophischen und gesellschaftlichen Denkens auseinandersetzt. Ziel ist es, durch gemeinsame Lektüre und Diskussion Reflexionsräume zu schaffen. Neben westlichen Stimmen kommen auch östliche und multikulturelle Denk- und Erfahrungsräume zu Wort und eröffnen neue Horizonte.