“Rene Guénon – Die Krise der modernen Welt!” – Literaturgespräch

"Rene Guénon – Die Krise der modernen Welt!"

René Guénons Die Krise der modernen Welt ist ein heute oft übersehenes Meisterwerk der philosophischen Modernitätskritik.

Mit großer Konsequenz entwickelt Guénon eine grundlegende Diagnose der modernen Zivilisation und stellt zentrale Gewissheiten über Fortschritt, Wissen und gesellschaftliche Entwicklung infrage. Das Werk lädt dazu ein, die Voraussetzungen unseres modernen Selbstverständnisses sowie die Grundlagen von Tradition, Erkenntnis und geistiger Orientierung neu zu durchdenken. Gerade in einer Zeit, die von Beschleunigung, Orientierungssuche und tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt ist, gewinnt diese Auseinandersetzung neue Aktualität.

 

Mit Samet Balci; Theologe, Philosoph und Historiker, lehrte und forschte u.a. in Osnabrück, an der UC Berkeley und an der McGill in Montreal. Er promoviert in Jena und ist fachlicher Leiter des Zentrums Hikma.

Online

24.09.2026 

18:30 – 20:00 Uhr

für alle Interessierten ab 16 Jahren

Am 24. September 2026 fand das zweite HIKMA-Literaturgespräch zu René Guénons Werk Die Krise der modernen Welt statt. Nach der Einführung und Moderation durch Melda Eryilmaz folgte ein Vortrag von Samet Balci (M.A.), der zunächst die Genealogie der Moderne- und Zivilisationskritik nachzeichnete, anschließend die philosophisch-biografischen Hintergründe René Guénons und seine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist beleuchtete und schließlich die zentralen Argumentationslinien seines Werkes rekonstruierte.

 

Im Mittelpunkt stand Guénons Diagnose der modernen Welt und die Frage nach den Ursachen und Symptomen ihrer Krise. Entlang der Argumentationsstruktur des Buches wurde insbesondere sein zyklisches Geschichtsverständnis thematisiert, nach dem sich die Menschheit in der letzten und dunkelsten Phase befindet. Entwicklungen wie Renaissance und Humanismus erscheinen aus Guénons Perspektive nicht als Meilensteine einer linearen Fortschrittsgeschichte, sondern ganz im Gegenteil als Ausdruck einer zunehmenden Abkehr von metaphysischen und geistigen Grundlagen. Vor diesem Hintergrund entwickelt Guénon einen philosophischen Gegenentwurf zum modernen Fortschrittsoptimismus. Die zunehmende Entsakralisierung und Materialisierung der Lebenswelt sowie die Vorrangstellung des Quantifizierbaren gegenüber metaphysischen und geistigen Dimensionen deutet er nicht als Zeichen eines zivilisatorischen Fortschritts, sondern als Symptome eines grundlegenden Niedergangs. Sein Werk eröffnet damit eine kritische Perspektive auf das moderne Verständnis von Fortschritt, Wissen und Wahrheit sowie auf die geistigen Grundlagen unserer Lebenswelt.

Im Anschluss an den Vortrag bot die Diskussion Raum für Fragen, Rückmeldungen und einen offenen Austausch über die vorgestellten Gedanken und ihre möglichen Bezüge zur Gegenwart.

Mit dem erfolgreichen Abschluss des zweiten Literaturgesprächs wurde die HIKMA-Reihe zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit zentralen Werken des philosophischen, religiösen und gesellschaftlichen Denkens fortgesetzt. Ziel der Reihe ist es, durch gemeinsame Lektüre und Diskussion Reflexionsräume zu schaffen, unterschiedliche geistige und kulturelle Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen und neue Zugänge zu grundlegenden Fragen der Gegenwart zu eröffnen. Neben westlichen Stimmen kommen auch östliche und multikulturelle Denk- und Erfahrungsräume zu Wort und eröffnen neue Horizonte.

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